Ich mag dir von meiner letzten Reise erzählen.
Wir – 4 Erwachsene und 4 Kinder – waren für ein paar Tage in Triest. Die Zusammensetzung: 1 Mama (ich), schon ziemlich urlaubsreif, mit 2 Preteens, die „null bock, bro!“ hatten und nur im Appartement chillen wollten. Meine Schwester mit Mann und 2 Kleinkindern – 1 und 3 Jahre –, voller Energie und Entdeckungsfreude, während den Eltern manchmal die Puste ausging. Und die Oma.
Trotz all der unterschiedlichen Bedürfnisse – und so manchen Crashout – hatten wir schöne Tage. Auch wenn ich meiner Nichte beim Tantentanzen fast den Zahn ausgeschlagen hätte. Und ich am Vortag mit meiner Schwester einen Nachmittag im Krankenhaus verbracht habe.
Bei den Großen wechselten meine Schwester und ich uns im Good-Cop-Bad-Cop-Modus ab. Wobei: Sie war eindeutig der bessere Bad Cop.
Wise Adult Self vs. Adaptive Child Self
Das wäre nicht immer so gewesen. Mehr als einmal war einer von uns Erwachsenen – zusätzlich zu den Kindern – gut getriggert. Aber weißt du, was diesmal anders war? Wir kennen unsere Trigger. Wir wissen, wann wir in unserem „Wise Adult Self“ sind – und wann wir gerade aus dem „Adaptive Child Self“ reagieren (Begriff nach Terry Real). Und wir atmen. Wir spüren die Enge im Brustkorb – und warten ab.
Denn das, was sich so nach Dringlichkeit anfühlt, ist ganz oft ein Traumasymptom.
Es war ein wirklich schöner Urlaub.
Was ich von der Großfamiliengang mitgenommen habe
Kinderbegleitung braucht ein ganzes Dorf. Kinder lernen von Kindern unendlich viel – und hören auf andere Erwachsene so viel eher als auf die eigenen Eltern. Kinder brauchen echte Menschen als Gegenüber. Keine Konzepte. Keine Floskeln.
Die Medaille für die beste Oma aller Zeiten geht an unsere Mama: An einem Abend hat sie alle vier Kinder ins Bett gebracht – während die Millennial-Generation sich beim Konzert wieder wie 20 fühlen durfte.
Du kannst dich deinen Kindern zumuten
Der Satz, der bei meiner super-grantigen Tochter am meisten gewirkt hat:
„Ich erzähl dir jetzt etwas über selektive Wahrnehmung. Du sagst, ‚alle Erwachsenen‘ sind gegen dich. Dabei könnte es auch sein, dass du gerade einen Scheißfilter auf der Wahrnehmung hast. Das ist Wissenschaft. Unser Hirn kann die gesamte Realität nicht überblicken – also filtert es. Immer. Und je nach Filter siehst du die schönen Dinge – oder die Kackdinge. Du entscheidest. Und ganz ehrlich: Man erkennt Menschen, die seit Jahren mit Scheißfilter herumlaufen. Der macht sie griesgrämig und hässlich.“
Steht dir jetzt der Mund offen?
Es ist nicht unpädagogisch – es ist entwicklungsorientiert. Meine Tochter braucht in ihrer Rebellenphase keinen Weichspüler. Sie braucht Empathie, Respekt, Klarheit und solide Grenzen.
Das ist lernbar
Trigger kennen, reguliert bleiben, klar kommunizieren – all das ist lernbar. Es braucht kein perfektes Nervensystem. Nur eines, das du kennst.
Wenn du dein Nervensystem besser kennenlernen willst
Am 19.9., 10–13 Uhr, gibt es den Workshop „Nervensystem-Reset für ein reguliertes Schuljahr“ – 3 Stunden live plus Aufzeichnung, 49 €. Genau um Trigger, Regulation und den Weg zurück in dein Fenster geht es dort.

