
Wir sind in Wien in der 8. Ferienwoche. Und langsam geht mir die Puste aus.
Denn mit 2 Preteens Ferien zu verbringen ist nicht immer Erholung – auch wenn ich in der privilegierten Position des Co-Parenting bin, wo der Papa der Kinder inklusive Partnerin ganz viel mit abdeckt. Ich knie trotzdem nieder vor allen Alleinerziehenden, die das 9 Wochen lang allein stemmen.
Gerade sind wir in Kärnten bei Freunden. Die sind aber gar nicht da – sie sind zur gleichen Zeit bei uns in Wien. Dieses Ritual ist eine der liebsten Sommer-Routinen meiner Kinder und mir. Wir nennen es längst unseren Zweitwohnsitz. Für meine Kinder ist es die optimale Art zu reisen: Sicherheit und Unabhängigkeit gleichzeitig, weil sie sich hier schon so gut auskennen.
Und trotzdem – spätestens jetzt, wo die meisten aus ihren Urlauben mit größeren Kindern zurückkommen, macht sich auch bei mir etwas Katerstimmung breit. Letztes Jahr war das Kind noch so lieb, hat sich für alles begeistern lassen. Dieses Jahr ist es einsilbig, undankbar, motzig – lässt sich zu nichts motivieren. Mittlerweile hab ich 2 von dieser Sorte, und es fühlt sich manchmal an, als wäre ich mit 2 angezogenen Handbremsen auf Ausflug. Und dann – out of the blue – explodiert die Stimmung, und ein Kind ist beleidigt. Schuld bin meistens ich: weil ich nicht mehr wusste, was das aktuelle Lieblingsshirt der Tochter ist. Oder weil ich den Sohn zu streng angeschaut hab.
OIDA…!?
Haben uns nicht alle Ratgeber gesagt, es würde besser, wenn die Kinder größer werden?
Anders. Aber bei Weitem nicht leichter – würde ich als Entwicklungspädagogin antworten.
Wir sind gerade in Kärnten, und da ist alles pubertierend wie eh und je. Aber trotzdem entspannter. Was es entspannter macht, hab ich hier für dich (und mich) zusammengefasst:
Ich wachse mit der Entwicklungsstufe meiner Kinder mit
Nach der Entwicklungspädagogik sind wir Menschen nie fertig entwickelt. Manche Entwicklungsstufen haben wir im Lauf unseres eigenen Werdens sogar übersprungen, weil wir früher nicht die richtigen Bedingungen dafür hatten. Die Pubertät ist eine so prägende Zeit – und unsere Kinder, in der Familie wie in der Arbeit, laden uns förmlich dazu ein, uns dieser Entwicklungsstufe nochmal zu stellen. Es geht um unsere Beziehung zu Wut, Macht und Stärke, zu klaren Grenzen und einem gesunden Regelbewusstsein.
Humor hilft
Mit Jugendlichen wird es oft sehr ernst und krampfig. Gefühle kochen schnell über, und wir rutschen in eine Abwärtsspirale. Mir hilft: atmen, und über mich selbst lachen. Denn ganz oft sind diese Situationen wirklich skurril. Wichtig: lache über dich, nicht über die Kinder. Respekt ist das oberste Gebot.
Ich nehme es nicht persönlich
Mit Wissen über die Gehirnentwicklung von Kindern und Jugendlichen kann ich kompetenter auf Ausraster und Irrationalität reagieren. Denn auch wenn die Kids das nicht hören wollen: Ihr Gehirn ist zu rationalen Entscheidungen und emotionaler Regulation erst mit Mitte 20 fähig – und das auch nur an guten Tagen, wenn wir nicht gestresst oder getriggert sind. Das große Ganze im Blick behalten, statt sich nur von Emotionen leiten zu lassen: Das kann ein Gehirn erst, wenn es fertig umgebaut ist.
Nervensystem first
Je entspannter und regulierter ich bin, desto humorvoller und empathischer kann ich auf meine Kinder reagieren. Deshalb beginnt mein Tag mit Nervensystem-Übungen. No. Matter. What.
Am 7.9. startet in Wien die Schule wieder, und genau dann stehen wir alle an einem Scheideweg. Ich beobachte so viele Eltern, Erzieherinnen und Pädagoginnen, die nach den Ferien motiviert und voller guter Absichten in dieselben Fallen tappen – und aus Zeitmangel genau das vergessen: Nervensystem first.
Lass uns das Schuljahr dieses Mal anders angehen – nicht erst, wenn’s kippt, sondern von Anfang an reguliert und mit Wissen über dein Toleranzfenster: den Bereich, in dem du präsent und handlungsfähig bleibst, statt zu kippen.
Im Workshop „Nervensystem-Reset für ein reguliertes Schuljahr“ (19.9., 10–13 Uhr, online, 49 €) – kurz nach Schulstart – geht’s um genau das: deine Mitte und der Weg zurück, Boxen statt Meditation, und Vagusnerv-Praxis aus Somatic Experiencing und Polyvagaltheorie. Anmeldeschluss ist der 18.9., 23:59 Uhr.













