Spirituelles Bypassing: Warum „nur gut reguliert sein“ nicht reicht

21. August 2026
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Dieses Wochenende wurde ich ganz leise. Denn eine Erkenntnis fiel mir wie Schuppen von den Augen.

Lange Zeit war ich Teil eines überaus eindimensionalen spirituellen Gedankens, der sich sogar gefährlich auf die Nervensysteme aller Beteiligten auswirken kann. Ich war tief in der Yogaszene verwurzelt und war davon überzeugt, dass sich alles zum Guten auflöst, wenn wir nur gut reguliert sind. Und so wie mir geht es ganz vielen. Wir atmen, meditieren, verbrezeln uns für den Familien- oder gar Weltfrieden. Und nach Jahren Atmen und Verbrezeln schauen wir auf unser Leben und erkennen: Das allein reicht nicht.

Wir sind mehr als unsere bewussten Entscheidungen

Denn wir sind eben nicht nur unsere bewussten Entscheidungen, sondern auch unsere unbewussten Muster, unsere Rollenzuschreibungen, die auf unterschiedliche Erfahrungen, Ressourcen und Interpretationen zugreifen. Und das Wichtigste: Wir sind eingebunden in Kultur und Systeme, die wir nur schwer verändern können und manchmal gar nicht bewusst wahrnehmen.

Ein Beispiel aus dem echten Leben

Ich war am Wochenende bei Freundinnen in Hannover. Eine Freundin, selbst Mama, erzählte mir – mit schlechtem Gewissen im Blick –, dass es ihr nicht immer gelingt, ihre beiden Jungs entspannt zu co-regulieren und ihre Bedürfnisse zu sehen und zu erfüllen. Ihr fehle die eigene Praxis, sie nehme sich zu wenig Zeit für sich. Und da war sie: die gemeine Optimierungsstimme von uns Frauen. „Tja. Du bist zu faul. Wenn du es wirklich wollen würdest, dann würdest du um 5 Uhr aufstehen. Für deine Kinder… denn sie verdienen eine regulierte Mama…“

Ich frage mich immer, ob der Papa meiner Kinder auch so eine Stimme im Kopf hat. Ehrlicherweise bezweifle ich das. Aber das ist eine andere Geschichte.

Mittlerweile werde ich bei all diesen oder ähnlichen Geschichten, die an mich herangetragen werden, unendlich wütend. Nicht auf die Frauen, die mir die Geschichten erzählen, sondern auf dieses verf***** patriarchale Narrativ, das uns dieses Märchen einredet, um uns noch mehr kostenlose Care-Arbeit rauszuquatschen.

Immer reguliert zu sein ist utopisch

Ja. Gut möglich, dass es dir hilft, wenn du dir Zeit für dich nimmst und dann besser reguliert bist. Aber es ist nicht notwendig und sogar utopisch, IMMER reguliert zu sein. In dieser ungerechten Welt ist es sogar gesünder, wenn es dir „immer mal wieder den Vogel rausschießt“ (auf gut Wienerisch), anstatt darüber hinweg zu lächeln und zu atmen.

Mein Mantra an meine Kinder: „This is as good as it gets.“ Mehr ist heute nicht drinnen.

Also: Sei menschlich. Mute deinen Kindern zu, dass sie nicht immer alle Bedürfnisse erfüllt bekommen und dass Erwachsene auch Grenzen haben.

Und weißt du, was das Paradoxe ist: Genau DAS reguliert dein Nervensystem, wie es eine Atemübung niemals machen könnte.

Nervensystem-Reset: Regulieren, ohne dich kaputtzuoptimieren

Und genau deshalb zeige ich dir in meinem Workshop „Nervensystem-Reset“ nicht nur, wie du runterregulierst – sondern auch, wie du menschlich bleiben darfst, statt dich kaputt zu optimieren.

📅 19. September, 10–13 Uhr, online live · 💶 49 €

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