
Schon wieder ein Frauenmord. Ein Mann, der seine Frau betäubt und missbraucht. Menschenrechte, die mit Füßen getreten werden. Präsidenten, die ihre Anhänger offen zum Wahlbetrug auffordern. Eine rechtsextreme Partei, die davon spricht, die „Remigration“ notfalls mit Waffengewalt durchzuziehen. Dazwischen die Dauerbeschallung mit Hiobsbotschaften zu Klima, KI und Weltpolitik.
So ungefähr sieht mein Insta-Feed aus. Und mittendrin, als Frau über 40, die Werbung, die mir erklärt, was mir angeblich fehlt:
- ein faltenfreieres Gesicht
- mein Perimenopause-Bauch, um den ich mich endlich kümmern müsste
- mein Bindungsmuster, das ich mit genau dieser einen App in den Griff bekomme
- eine neue Handyhülle, Aufklebe-Fingernägel oder doch ein Thermomix
Das macht mich wütend. Auf mehreren Ebenen gleichzeitig: wie banal diese Ads sind – und wie viel Social Media über mein Leben zu wissen glaubt. Und gleichzeitig diese Versuchung, mich ständig ablenken zu lassen von dem, was wirklich zählt. Dieses Konsumieren.
Es macht mich müde. Es macht mich krank. Und wenn ich nicht wach bleibe, macht es vor allem eines mit mir: resigniert und ohnmächtig.
Was Wut mit deinem Nervensystem macht
In diesem Zustand will ich nicht sein. Als Traumapädagogin weiß ich: Mein Nervensystem funktioniert nach klaren Hierarchien. Ohnmacht und Resignation sind nicht der Zustand, in dem ich wach und dem Leben zugewandt handeln kann. Es ist der Zustand, in dem sich mein System aufs „Weniger-Werden“ vorbereitet – und das meine ich nicht metaphorisch, sondern biologisch. Im Hypo-Arousal hat mein System innerlich mit dem Leben abgeschlossen.
Manchmal fühlt sich das sogar angenehm an. Nach Ruhe, nach Frieden, nach Gleichmut. Ein Trugschluss. Es ist das genaue Gegenteil: die Abwesenheit von Lebendigkeit, die Abwesenheit von Präsenz.
Deshalb will ich heute die Wut ins Zentrum stellen. In der Hierarchie des Nervensystems steht Wut über der Ohnmacht. Wut ist Hyper-Arousal – der Mechanismus, der dem Leben zugewandt ist. Der aufsteht und kämpft. Der seine Grenzen achtet. Der sagt: „Alter, so geht das nicht. Alter, stopp.“
Genau diese Kraft gilt es jetzt zu mobilisieren.
Wut ist außerdem eine zentrale Entwicklungsstufe – die wir in der Autonomiephase und noch einmal in der Pubertät durchleben. Sie formt unser Ego, damit wir wissen, wo wir aufhören und wo die Grenze zum anderen beginnt – und damit wir diese Grenze im Ernstfall auch verteidigen können. Wird uns diese Wut abtrainiert, fallen wir zurück in Resignation und werden zu Spielbällen fremder Pläne.
Klingt kämpferisch? Ja, das ist es. Und das ist gut so. Die Zeit, in der wir still auf dem Meditationskissen saßen und uns den Weltfrieden herbeigemanifestiert haben, ist vorbei. Meditiere ruhig weiter – und steh danach auf. Such dir dein Wirkfeld.
Find deine Wutkraft. Lass dich vom Leben wachrütteln. Erheb deine Stimme.
Wenn du direkt reinspüren willst, wie du dein Nervensystem statt in Ohnmacht in echte Präsenz bringst: Am Samstag, 19.9., 10–13 Uhr, gibt’s meinen Online-Workshop „Nervensystem-Reset für ein reguliertes Schuljahr“ – mit Vagusnerv-Praxis, Boxen statt Meditation und dem Weg zurück in deine Mitte. 49 €, inkl. Aufzeichnung (1 Monat abrufbar). Anmeldeschluss 18.9., 23:59 Uhr: hannapessl.com/nervensystem-reset/
Wenn du tiefer einsteigen willst: Im Basislehrgang „Integrale Entwicklungspädagogik“ widmen wir der roten Entwicklungsstufe ein ganzes Wochenende – dort etablieren wir eine integrale Wutpraxis, praxisnah und körperlich, damit du dauerhaft Zugang zu dieser vitalen Kraft bekommst. Start 31.10.2026. EarlyBird nur bis 30.9.: 2.300 € statt 2.850 € (Ratenzahlung ab 210 €/Monat möglich): hannapessl.com/entwicklungspaedagogik/













